#MeToo Debatte im ND

Eigentlich will ich nicht groß über die #MeToo Debatte sprechen, sie war schon lange überfällig und die Tatsache das dann doch so viele sehr überrascht waren unterstreicht nur die Notwendigkeit.
Von einer Seite von der ich es nicht erwartet hätte kam jetzt ein für mich etwas merkwürdig anmutender Gegenwind, in der Zeitung „Neues Deutschland“ wurde ein Artikel eines Sexualforschers veröffentlicht. Am Ende fand ich mich dabei wieder eine lange Antwort zu schreiben, hier ist sie also.

Der Artikel

Wenn man den Artikel sachlich liest stellt man fest er ist ein Kommentar in dem ein irritierter Autor ist in seiner Kleinstadtwelt losgezogen ist um Frauen zu finden die mit ihm irritiert sind. Deswegen fängt er natürlich mit ausgewählten Zitaten an die er angeblich so zusammengetragen hat, dass die bereits ausgewählt und nicht repräsentativ sind gibt er als Wissenschaftler natürlich gleich mit an, jedoch ohne sich zu fragen was den dann repräsentativ wäre. Das riecht an der Stelle ja schon zwei mal nach Bias.

These 1, Viktimisierung im #MeToo

 
Gehen wir in die Thesen: Viktimisierung gibt es in der Situation als Opfer und aus der daraus hervorgehenden Ohnmacht. Aber angeblich auch ein drittes mal im #MeToo Diskurs, denn da ist man ja quasi in der Opferrolle verfestigt. Der Autor spricht der Bewegung damit die emanzipatorische Kraft ab. Um das zu widerlegen reicht eigentlich anzuschauen was daraus geworden ist. Männer die Jahrelang als Aggressoren ungestraft sein konnten sind jetzt plötzlich weg. Dem nur eine Opferrolle beizumessen geht an der Sache vorbei.

These 2, Entdifferenzierung

Jedes Problem werde laut dem Autor in einen Topf geworfen, die Gewichtung werde völlig außer acht gelassen. Das das Gewicht die schiere Masse ausmacht und genau dieser Alltag bis heute von vielen Männern schlichtweg geleugnet wird führt er dabei gut vor. Dia angebliche Relativierung die stattfindet und die schweren Taten untergehen lässt ist nicht spezifiziert, der Leser wird, wie später noch mehrfach, ohne auch nur den hauch eines Nachweises oder Nachweisversuchs mit dem Text alleine gelassen.

These 3, Sexualisierung

Die angebliche Sexualisierung von „Nichtsexuellem“ sei ein weiteres Problem, rüde Bemerkungen und körperliche Gewalt etwa. Ich frage mich wo der Autor lebt, wenn er das glaubt das so trennscharf auseinander dividieren zu können. Das Patriarchale Machtstrukturen eben auch mit angegriffen werden ignoriert der Autor geflissentlich. Die zusätzliche emotionalisierung die diese falsche Zuschreibung dann mit sich brächte mag aus der Sicht eines Wissenschaftlers falsch sein, aber davon hat man sich ja schon mit dem ersten Absatz verabschiedet.

Lynchjustiz

Die Lynchjustiz, ein großes Wort, wird als Problem angeführt. Wohl weißlich nennt der Autor aber keine Namen, denn dann müsste man ja an der Sache argumentieren. Die Toleranz dessen, das Menschen die Sexuell übergriffig werden tatsächliche Konsequenzen zu befürchten haben ist jetzt das größte Problem, nicht etwa das viele dieser Übergriffe vom Strafrecht gar nicht erfasst werden, nichtsdestotrotz aber die Machtstrukturen zementieren. Wenn es nicht justiziabel ist soll man sich wohl nicht drum kümmern. Also nicht so unkritisch. Da fällt mir wenig ein.

Separierung

Separierung, angeblich trennt diese Diskussion Mann und Frau. Als Beweis wird angeführt das sich im Osten (Welchem eigentlich, Deutschland oder Russland?) ja das Verhältnis der Geschlechter ändert. Aha. Und das soll als Beweis dienen das eine überfällige Debatte über Übergriffigkeit eine separirung der Geschlechter befeuert. Bis hierhin und auch weite rim Text ist nirgendwo ein Hinweis angebracht wieso die Debatte nicht die Trennlinie zwischen Übergriffigen und den anderen zieht, sondern zwischen Frauen und Männern. Da hilft auch der hinweis das man gemeinsam kämpfen sollte nichts, er ist sogar absurd da genau das ja auf manigfaltige Art und weise in der Debatte passiert.

Reduzierung

Abgesehen von der wirklich nutzlosen Prosa ist der Inhalt es wird auf Opfer und Täter reduziert. Dabei wird auf Täter und nicht Täter reduziert, eine, mit verlaub, ganz angemessene Reduktion. Wieso das so nicht gut sein sollte? Weil es Unmut hervorbringt. bei wem denn nun? Eine weitere Frage für den Autor.

Unzulässige Verallgemeinerung

In der 7. These wird eine – vermutlich polemische überschrift – „Männer sind Schweine“ zur deutlichen Untermauerung der Position genutzt das es zu viel Verallgemeinerung gibt. Das wirklich absurde ist aber das die 3. These, eben das es zu viel Sexualisierung gebe, hier genau vorgeführt wird. Der Autor reduziert das Gegenargument darauf das ja nur 1% seiner Studie von 50-60 Jährigen vergewaltigt wurden. Was dieses „Argument“ aussagen soll bleibt mir schleierhaft. Es spricht doch nur wieder für die Debatte. Was an dieser Wirklichkeit nicht fürchterlich sein soll verstehe ich nicht, habe jetzt aber auch das letzte bisschen Hoffnung aufgegeben das der Autor etwas erklären will.

Verdunkelung

Die 8. These kann ich nur als Selbstbeweihräucherung verstehen. Zusammengefasst sagt sie aus das es Arschlöcher gibt, man sieht es an der #metoo Debatte. Man möchte laut „Ach was“ schreien. Die in der Debatte angeblich zusammengeführte Sexualität mit übergriffiger Persönlichkeit kann man getrost als herbeifantasiert abhaken, einen Nachweis, und sei es nur argumentativ, bleibt der Autor erneut schuldig und setzt stattdessen lieber darauf gut klingende aber bedeutungslose Worthülsen zu verwenden.

Strohfeuerwerk

Zuletzt muss es der Autor betonen, es ist ja nur ein Strohfeuerwerk. nicht gesehen wird die Situation vieler Frauen (und auch gelegentlich Männer) die jetzt offener über so etwas sprechen können ohne sofort abgebügelt zu werden. Aber die These das es ein Strohfeuer ist wird auch argumentativ nicht weiter verfolgt, es gebe da halt solche Meinungen. Es gibt auch andere die nahelegen das es eine sehr fundamentale Veränderung nach sich zieht indem es die Problematik und die schiere Dimension klar macht und es nichts ist was man wieder in der Schublade verschwinden lassen kann.
 

Abschließende Gedanken

Im Fazit wird dann klar was von einer richtigen Debatte zu erwarten ist:Sie muss an den richtigen Grundfesten rütteln, die Gleichberechtigung erkämpfen, neoliberale Ausbeutung beenden und konservative Leitbilder zerstören.
 
Kurz: Es geht um den Weltfrieden, drunter ist ja alles irgendwie lächerlich.
 
Ich stimme dem Autor zu, es geht nicht um Sex. Das ein Sexualwissenschaftler das zwar schreibt, aber nicht meint, überrascht mich dann nicht, so endet der Beitrag auch mit der angeblichen Wirkungslosigkeit der Debatte für den Sex im hohen Alter, ein Punkt der den Autor offensichtlich betrifft.
Natürlich geht es nicht um Sex, es geht um Sexuelle Übergriffe. Ich will sehr hoffen das die Debatte die 1% Vergewaltigten Frauen aus der Studie erreicht und diesen hilft keine Opfer mehr zu werden.

Fazit 

Der Autor macht Studien, die Debatte hat er nicht nur nicht verstanden, sondern auch mit zahlreichen Strohmann Argumenten und ohne Inhalte versucht in Misskredit zu bringen. Das ist schade und zeigt die Notwendigkeit umso mehr.

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